Der Dalai Lama gähnt wann’s ihm passt! Er sitzt, macht, schläft, lacht wie es ihm beliebt! Vor Menschen noch viel ausgiebiger. Die Brille, ein Relikt. Aber warum hat eine Heiligkeit überhaupt Sehschwächen? Damit wird der Tibet-Berg mit dem Tiroler-Spitz auf einen Nenner gebracht! (think buddhist to know what I mean …) – Geladen war seine Heiligkeit zum Thema “Some thoughts on the role of spirituality in the 21st century” beim Waldzell Dialog 2007 in der Stiftskirche Melk.
Auftritt 1: Stehen, durchatmen, schauen. Auftritt 2: die vielen Räume des Stift Melk erwähnen und laut auflachen. Auftritt 3: “the 21st century has just begun – future is always uncertain!” – i start to like this guy. Wie viele Vertreter aller Situationen kann man sich vorstellen, die in die Zukunft das Bestehende projizieren. Und gerade: hier geht’s um Religionen! Einmal noch wird reihum die Pracht der Glaubens-Vertreter aufgezählt und ach … mit sanftem Lächeln die Katholiken vergessen. Ein Worttausch mit dem Übersetzer lässt den tiefgründigen Spaß im Kloster kurzzeitig Wirkung tragen.
Warum Religion? “just the feeling inside, something is missing”. Eigentlich reicht das. Aber: “be serious!” Wenn dann ganz. Die Reihenfolge sei wie folgt beschrieben: Zuerst das Zutragen, dann der Zweifel, dann die Reflexion, dann die Festigung, dann der Glaube. “Be serious!” ist Anforderung an Prozess wie Resultat gleichermaßen.
Falsche Entscheidungen, so der Meister, resultieren aus der Unfähigkeit die Realität zu sehen. Sobald das Gemüt durch elende Emotionen geleitet wird, wird aus dem Punkt eine Projektion, eine mentale Projektion basierend auf eine Emotion. Und ist diese übel, ist die Welt übel. Auch klar.
Aber einfacher geht’s nicht. Was für einen Nutzen hat die Religion? Einen medizinisch Bewiesenen! Positives Denken stärkt das Immunsystem, negatives macht Gegenteiliges. Und wenn mit Glück und Liebe das Positive gestärkt wird, unterstützt das Nachhaltig die Gesundheit. Also ist die Religions-Mission eine Wohl-Dir Mission, eine erfreu-dich-eines-schönen-und-gesunden-Lebens-Mission. Finde den Fehler!
Die Ratio kann hier stolz die Brust schwellen, denn ihre Rolle wird im Liebes- und Umarm-Taumel der Gebrüder Glaube oft unterschätzt. Hier nicht. Auf die Frage, wie man Harmonie zwischen den Religionen begünstigen und fördern könnte, meint seine Heiligkeit nach ein paar Ausführungen: bring it to an academic level. Was?, fragt sich der Ministrant? Aber ja, es geht weiter: stellt man einen Religions-Vergleich mit den nicht zu widerlegenden, kulturübergreifenden Methoden der Wissenschaft an, werde man bemerken, dass die Gemeinsamkeiten überwiegen, das Verbindende stärker ist als das Trennende. Das sitzt.
Eine perfekte (sic!) Kulisse für das anschließende Kerzen-Verteilen und -Anzünden der nun nicht mehr unterschiedlichen Religonstransmitter, wo die Peinlichkeit des Moments schwül im kühlen Kirchenraum lag. So war das nicht gemeint, aber Tages-Programm ist Tages-Programm. Vom gemeinsamen Singversuch oder “Music Experience”, aufgestachelt von einem Heiligen, nicht zu sprechen. Eine Katastrophe für den verkrampften Leib.
Aber noch ist es nicht vorbei! Ein Geniestreich soll noch klingen. Auf die Frage, ob der 15. Dalai Lama auch eine Frau sein könnte, meinte er (nach ausführlicher Ouvertüre): “If it is more effective and more useful, why not?” That’s it. Einfach und brilliant. Intelligenz mit Lockerheit verknüpft ist eine unschlagbare Kombination. Der Witz ist die Politur.
“If it is more effective and more useful, why not?” – das ist Argumentation in Höchstform, denn Effektivität wie Nutzen ist Kontext-abhängig und gleichzeitig akzeptiertes Maß für scheinbar Außerreligiöses. Schleifen denken.
In Melk funktioniert das ganz wunderbar. Der Herbst sitzt hübsch auf einem Bänkchen und ein junger Wilder grüßt am Trottoir.
Breath in, breath out.