Für Nebenjobs muss man sich oft mehr entblößen als für angemessene Rosinen. Ein Siemens Promotoren-Hunter findet’s dreist der Mühe wert, ein Mädchen nach bereits ertöntem Schweigen im wohligen Zusammensein von Arbeitssuchenden nochmals nach ihrem Alter zu befragen. Das Händeklatschen meinerseits hat ihm wohl den Spaß verdorben und so darf fürderhin das Lachen nur verschluckt, nicht verschickt werden. Eine Profilierungsveranstaltung als Bonus für das Siemenspersonal im Deckmantel des Eliterekruitings. „Promotoren zum elitären Flyer-austeilen gesucht“ Die Siemens-Akademie zahlt das Nagelset. Nicht jeder Passant wird bestückt. Qualität vor Quantität.
Gut furzen will gelernt sein. Gerald, Gerhard oder Günther – der Chief in Promotion – weiß die Spreu vom Weizen zu trennen und eröffnet mir forsch: „Erzähl von deinem Leben oder du kannst gehen.“, was mir etwas säuerlich aufstößt, ist seine Vorstellung vom Leben hoffentlich eine andere als meine. Deshalb biege ich geschwind das Heroische zum Banalen herunter und im allgemeinen Gähnen wird der Plan vollbracht, nach dem der Höflichkeit entsprechenden Verweilen bis zum letzten Namen alsbald möglich den Raum zu verlassen, nicht ohne allerlei obszöne Worte im Geiste auf einen jungen Aspiranten zu feuern, der Medusa-artig in allen Ärschen der Welt zu Hause ist und mir wünscht:“ Ich hoffe du findest einen Job.“ Diesen Geist in Hardware verpackt hat auch BenQ nicht austreiben können.
Thank god: I’m broke but I’m alive.
Ich schau mir lieber rosa Räder am wild begrünten Bahnsteig an.
Apropros Fortbewegung: Am meisten trifft die geplant populäre Kerosinsteuer die Daheimgebliebenen Politiker und Geschäftsleute. Für den Mitt-Zwanzig-Horizonterweiterer spielen die paar Euro doch keine Rolle und wenn Familien in den Urlaub düsen, schauen sie schadenfroh auf die Gutbetuchten, denn diesen wird das bisschen Mehr schon bald mit dem Ruin verbinden. Zu Hause bleiben oder Bahn fahren? Die privatisieren wir, und dann wird’s richtig gut. Es freut sich Hans-Peter Martin, das selbsterklärte Schreckgespenst mit frischem Make-up im Dunstkreis der Elite-Jäger, weil er es mit seiner mickrigen EU-Gage nicht mehr bis Österreich schaffen wird. Wir freuen uns mit ihm und verkünden einen totalen Flugstop. „Nicht IHR macht das Fliegen teurer, WIR zahlen gerne für die Umwelt drauf!“ Unsere schöne neue Umwelt, wo Viel-Besitzer sich auch betroffen fühlen und schleunigst ihre Flugzeit kürzen, wenn ungefähr die 40 € zusätzlich den Spaß verderben. Zur Unterstützung dieser Umwelt wird von überall her Beifall bekundet und schnurstracks der Flieger bedient, um am Stehplatz noch Kilometer zu machen und so seinen Beitrag zu leisten. Früher ist man ja auch zu Fuß gegangen und der nächste Ort war schon die Welt.