Messebesucher sind Genussspechte der einfachen Inszenierung. Nun besuchen viele Privatpersonen solche Sammelpunkte verschiedener Stände und Ständchens aus unterhaltungsökonomisch bedenklichen Gründen, aber dennoch mit dem Spaß am Flair. Weltausstellungsniveau der Vorstadtsinne.
Ganz sicher auch vor kurzem auf der „Call Center World 2007“ in Berlin. Funkmikro, Sitzmöbel, Sprachrobots. Im Rollsessel mit Headset wörtlich dauertorpediert durch die Ha(ö)llen gerollt, flaniert es sich einschlägig.
Am Überzeugendsten sind nach wie vor Messedauergäste wie Gemüsehechsler und Pfannenwunder. Dem Superkleber ist nicht zu trauen, etwaige Kräutermittel und deren Wirkung sind als ketzerisch zu verdammen.
Bei einer vor kurzem durchgeführten Befragung auf eben solchen Veranstaltungen wurde im statistischen Teil der Personaldaten der Interviewten nach der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen (die Interviewte eingeschlossen) gefragt. Über das Alter spricht man problemlos, der Verbleib und der Beruf, sowie Dauer des Besuchs wie Interesse an den Toiletten werden gerne als Informationen weitergegeben, doch ist bei dieser einen Frage, ein Zucken festzustellen, dass sich von den Knien über die Hüfte in die Hände vorarbeitet und das Gesicht mit einem eigenwilligen Lächeln synchronisiert, das mitteilt: „Wir sind zu zweit“ (Es fehlt das Kind.) „Wir sind zu dritt.“ (Das vierte ist schon durchgebrannt.) Alles über vier als Antwort legt eine differenzierte Auslegung für eben genanntes Zucken nahe. Doch am Unwohlsten fühlen sich bei dieser Frage Personen auf Messen mit nur einer Zahnbürste im Bad. Diese statistische Frage ist wie der Eintritt in die Garconniere der Solisten. Es scheint der Eindruck zu herrschen, in diesem Falle stimme etwas nicht: Allein zu sein riecht nach Versagen. Stimmt nicht, ihr lieben Zweibeiner! Arsch rein, Brust raus aus der Schleife verselbständigter Selbstreflexion, das Echo, das ihr der Welt zuschiebt entsteht in eurem Kopf. Don’t worry: Auch Personen mit Partner und/oder Familie masturbieren. Und Manche sind zu zweit viel einsamer als allein. Deshalb und trotzdem, an die Einsamsten der Daheimgebliebenen:
Call Center Agents unite! Ein Leben ohne Headset. Raus auf die Wiesen und ruft euch tierische Laute zu! Wälzt euch im Dreck, suhlt euch im wiedererstarkten Lebenssaft der Kollegen und macht Kinder, die die Welt nicht braucht. Call Center Ehen sind spontan und würdevoll. „Ich will“ ruft man am besten launisch, hier wird funktechnisch das Kusskonzert in jedes Ohr der Welt getragen. Ohne Wählscheibengeräte fällt man auch nicht mehr als Schwerarbeiter in’s Gewicht. Es lebe die Zunge das Ohr und die Lunge.