Das Ungeschick in so manchem Köpfchen auf dieser Konsumentenerde ist beizeiten schon Unglück zu nennen. Zumeist sind es aber pure Frechheiten, die den Käufer zur Ratsuche ans zuständige Ufer treiben. Alles hier ist streng vertraulich zu behandeln und entspricht so weit wie möglich ungeahnten Tatsachen:
Bürgschaften haben ihren Grund, wer sie vergisst, dem kann der Boden entzogen werden. 13k hat man einer Dame als Dank für ihre Bürgerei vermacht. Sie hat das stramm-stolze Stehen im Notariat schon längst vergessen und ringt nun um Tagesluft.
Ebenso die betagte Frau mit Mindestrente, die schon zu Monatsbeginn ihre Handtasche mit besagtem Geld an Übeltäter schlimmster Sorte abgeben musste. Hat dreist zu sein noch einen gewissen Charme, ist dies ganz und gar zu verurteilen. Ebenso ihr dümmlicher Neffe, der bringt sie nämlich in die Malaise. Schafft er es doch, der lieben Großmutter nachmittags weit über 3k auf die Handyrechnung zu zaubern, die sonst das Papier nicht wert ist, auf dem sie gedruckt wird. Hilfe ist unterwegs. Oma wir kommen!
Vorbildlich desorientiert will man bei mir auch einen Hund abmelden. Gleich darauf meldet sich ein Tschusch, der nicht telefonieren will. Wer jetzt die Bezeichnung „Tschusch“ für unsere ausländischen Mit-Bürger (sic! vgl. oben) als diskriminierend betrachtet, der hat sie nicht mehr alle, weil erstens damit hier alle über einen Kamm geschoren werden und ich der bin, der übrig bleibt, ich mich somit selbst diskriminiere und zweitens meine Liebste auch eine Freundin des Bieres, der Zwiebeln und der Blasmusik ist (Sie stimmt deeskalierend zu). Der nicht handyesk Strassen-tauglich fabulierende Auslands-Europäer (wenn das jetzt nicht lustig ist!) wird hier erwähnt, weil niemand so laut in ein Gerät schreit, wie österreichische Damen mittleren Alters mit einem Oktavierer im Rachen.
Die werden dann von Herren umgarnt, welche Monate, oft Jahre nach Erstkontakt und baldigem Verschwinden aus dem Arbeitsspeicher, durch herausragende Sorgfalt glänzen. Sie finden eine Nummer. Und ist man nicht mit dem mobil erreichbaren und damit allzeit verfügbaren Sozialkonglomerat aufgewachsen, verspürt man anscheinend das Bedürfnis dieser Leitung nachzugehen und das andere Ende zu beschnüffeln. Die Schnur, die man findet gibt man nicht mehr her. Und weil die Nummer ein Recht auf einen Besitzer hat, ruft dieser Herr an, nur um zu wissen wer dran ist. Nach höflicher Auskunft wird dankend aufgelegt.
Auflegen ist auch all jenen zu wünschen, die mit großem Eifer allen Warnungen zum Trotz, frohen Mutes und mit verklärten Augen auf die neue Welt blickend, tolle, tolle, tolle Angebote im Internet nützen. Hier wird das Unglück wieder zum Ungeschick, denn kann man sich der Warnungen gar nicht verwehren. Jedem gutwilligen Zeugen, Vertreter oder Voyeur wird rücksichtslos der Fuß in der Türe eingeklemmt, um schnell zurück im Internet sich über den Desktop ziehen zu lassen. Ein Trauerspiel. Geht doch damit auch eine Vertreterkultur zu Ende, die kleinen Kindern, hinter dem Rock ihrer Mutter hervor starrend, eine Wunderwelt eröffnete. Wildfremde, überaus nette Menschen, die in verblüffender Geschwindigkeit der Mutter einen Schrei und einen Seufzer entlockten. Zuerst der Dreck auf den Teppich („kreisch“), dann die wundersame Heilung („seufz“). Nicht immer restlos überzeugend, aber durchaus mit eindrucksvollem Auftritt.
Ganz anders der Piefke am anderen Ende der „Leitung“. Problem: „Ich bin deutscher Staatsbürger“ brüllt es generalstabsmäßig entgegen. Lösung: man ergreife vorsichtig und unbemerkt den Türknauf und „Rumms“ – schon wieder Sport betrieben. Mikrobewegungen nennt man das.